Raum Scarpa

Restauration durch den Architekten Carlo Scarpa

Zu Beginn der 60er Jahre kauft der vicentinische Anwalt Ettore Gallo den gesamten Palazzo Brusarosco, um seine Kanzlei und seinen Wohnsitz dorthin zu verlegen. Über seinen Freund Licisco Magagnato kommt Gallo in Kontakt mit Carlo Scarpa, der zu dieser Zeit Renovierungsarbeiten im Castelvecchio in Verona durchführt.
1965 wird es dann auch Ettore Gallo sein, der die Verteidigung Scarpas vor der Justizbehörde Venedigs übernimmt, nachdem dieser vom Architektenverband wegen rechtswidriger Berufsausübung angeklagt worden war, und erreicht für ihn einen Freispruch.
Während des Krieges wurde der Palazzo Brusarosco in Folge der Bombardierung stark beschädigt, besonders das oberste Stockwerk, das Scarpa in eine große Wohnung für die Familie Gallo umwandeln wollte.
Die Gallos sind Kunstliebhaber, und so plant Scarpa eine Wohnung, die gleichzeitig auch als Ausstellungsraum für ihre wertvollen Gemälde dient.
Damit beginnt ein Projekt, das auf neue Weise zwei Themen verbindet, die Scarpa sehr am Herzen liegen: die Einrichtung einer Wohnung und die Einrichtung eines Museums.
Bei der Gestaltung des Hauses greift er den traditionellen Stil der venetischen Patrizierresidenzen auf: Den wichtigsten Bereich stellt der große Saal dar, in dem das gesellschaftliche Leben der Familie stattfinden soll und in dem die Gemälde ausgestellt sind, eine Art helle und lichtdurchflutete „Piazza“, wie Scarpa es definierte. Daran grenzen die weniger beleuchteten und eher behaglichen Räume an, in denen sich das Privatleben der Familie abspielt. Trotz dieser getrennten Bereiche finden sich überall fließende Übergänge, die durch eine genau durchdachte Raumaufteilung, den Verzicht auf Türen und die Abrundung aller Ecken erreicht wurden und die ein gewisses Gefühl der Unbegrenztheit vermitteln.
Aus den Erfahrungen, die Scarpa in dieser Zeit und auch schon vorher im Museumsbau gesammelt hatte, entspringt hingegen die Art der Beleuchtung, ein natürliches, indirektes und zartes Licht, wie er es auch schon in der Gipsoteca von Possagno (1956-57) eingefangen hatte.
Dementsprechend wird der Saal durch Oberlichter beleuchtet, während eine Seitenwand ein Stück vorgezogen wurde, um so weitere Fenster zu erhalten, durch die mehr Licht aus dem Innenhof in die Wohnung gelangt.
Die Farben der Wände, die den durch Marmorboden noch betonten weißen Ausstellungsraum der Wohnung von den Privatzimmern trennen, hatte er auch schon im Museum Castelvecchio verwendet.
Im ersten Stock, wo sich die Kanzlei von Gallo befindet, stützt Scarpa die Decke des Hauptraums mit Balken ab, die er geschickt mit den dekorativen Elementen verbindet. Die gleiche Maßnahme ergreift er für die Balkendecke der Einfahrt zur Bibliothek (bei diesem Projekt arbeitet er für die strukturellen Überprüfungen und Berechnungen mit dem Ingenieur Carlo Maschietto zusammen).
Im Erdgeschoss, auf der Nordseite des Gebäudes, ist eine abgetrennte Wohnung vorgesehen, die jedoch später als Archiv genutzt wird. Der Innenhof wird mit Steinbehältern zum Auffangen von Regenwasser neu gestaltet, und auch die dem Park zugewandte Seite des Gebäudes erhält ein neues Gesicht, indem Türen und Fenster im Erdgeschoss und im zweiten Stock renoviert werden.
Zum Schluss entwirft Scarpa den Park, für den er Bäume und Pflanzen auswählt und ein eher unregelmäßiges, leicht hügeliges Gelände mit Platz für einige große Becken für Fische und Wasserpflanzen vorsieht. Bei der eigentlichen Umsetzung hielt man sich jedoch nur vage an diese Pläne.

Anna Di Meo, Auszug aus Carlo Scarpa – Mostre e Musei 1944-1976 Case e paesaggi 1972-1978

 

nur nach Vereinbarung besucht - tel. +39.0444.543000 - segreteria@lavigna.it

Banner Spazio Scarpa

Iscriviti alla Newsletter di La Vigna